Donnerstag, 26. April 2018

Geparden streicheln in Namibia

Normalerweise dürfte ich mich zu diesem Thema gar nicht kritisch äußern, aber da mein Blog mittlerweile eine schöne kleine Reichweite hat, möchte ich ein wenig aufklären.

Erklärung vorab:
Gesetzlich ist es in Namibia seit Jahren verboten, in Kontakt mit Wildtieren zu treten, was logischerweise das Streicheln von Geparden miteinschließt. Die Farm Otjitotongwe bei Kamanjab, also in der Nachbarschaft von Robyn, die wir vier Jahre lang jedes Jahr besuchten, hält neben Wildfängen, die aller Wahrscheinlichkeit halber sonst von Farmern abgeknallt worden wären, aktuell drei zahme weibliche Geparden. Bei unserem ersten Besuch 2014 dort haben wir uns noch keine großen Gedanken über Hintergründe etc. gemacht, es war einfach nur die pure Begeisterung für diese Tiere. Die Begeisterung ebbte nicht ab, allerdings hinterfragte ich das Ganze bei den nächsten Besuchen etwas und mir wurde erklärt, dass die Geparden Handaufzuchten sind, die in der Natur nicht überlebt hätten. Zwei von ihnen sind schon Seniorinnen und haben angeborene Hüft- bzw. Augenprobleme. Man merkt, dass die Farmer ihre Tiere lieben und absolut nichts unter Zwang geschieht, sie kommen sogar von selbst auf die Leute zu und setzen sich neben sie. Nach dem Streicheln gibt es Futter und man darf sich ihnen nicht mehr nähern.



Geparden sind in Namibia unter Farmern und Nutztierhaltern nicht sehr beliebt, da sie, wenn sie die Wahl haben, natürlich lieber Kälber, Ziegen oder Schafe reißen, die nun mal nicht annähernd so schnell sind wie Springböcke oder Impalas und damit eine besonders leichte Beute darstellen. Sie sind zwar streng geschützt, werden aber dennoch vermehrt Opfer im Mensch-Tier-Konflikt. Daher gibt es große Schutzprojekte, wie beispielsweise CCF (Cheetah-Conservation-Fund) oder AfriCat, die gegen diese Problematik ankämpfen, Aufklärungsarbeit leisten und aktiv Tiere umsiedeln oder neu auswildern. Die Farm, welche wir jedes Jahr besucht haben, betreibt diese Arbeit nicht, aber benutzt die Tiere nicht aus Profit-Gier. Informationen zu Herkunft und Vorgeschichten zu deren Halbwilden Geparden konnte ich aufgrund des Zeitmangels und anderer Anwesender leider nie bekommen.




Kritisch möchte ich mich deshalb äußern, weil die Gesetzeslage beispielsweise im benachbarten Südafrika (und anderen afrikanischen Ländern) ganz anders aussieht und dort immer noch unzählige Raubkatzen zum Kuscheln herhalten müssen, um im Erwachsenenalter bei kontrollierter Gatterjagd (Canned Hunting) von „Trophäen-Jägern“ abgeknallt zu werden.
Es fängt damit an, dass „Volontäre“ helfen, angeblich verwaiste oder verstoßene Löwenbabys groß zu ziehen, im Endeffekt aber dafür bezahlen, diese „Arbeit“ machen zu können. Touristen bezahlen für ein Foto und Knuddeln mit Löwenbabys viel Geld. Sobald die Löwen ein paar Monate alt sind, werden sogenannte „Lion Walks“ angeboten, wo Touristen gegen Bezahlung mit ihnen spazieren gehen können. Im ausgewachsenen Alter werden sie für die Jagd angeboten, die unter den niedrigsten Umständen stattfindet, die man sich nur vorstellen kann. Die Tiere werden in einen eingezäunten Bereich gebracht, manchmal sogar irgendwo festgebunden, oft noch sediert und warten darauf, von einem Wesen, das ihnen noch nicht mal fremd ist, kaltblütig ermordet zu werden, um danach tot mit diesem Abschaum zu posieren, der sich stolz damit brüstet, den König der Tiere erlegt zu haben. Gefragt sind natürlich majestätisch aussehende Mähnenlöwen, die normalerweise ihre üppige und dunkle Mähne in der Natur durch Fortpflanzung und ein hohes Testosteron bekommen. Dann wird in diesem Fall eben mit Hormonen nachgeholfen.  
Auf das Thema Jagd in Namibia bin ich in einem früheren Post schon einmal eingegangen: KLICK!

Ich möchte die Geparden-Farm keinesfalls mit so etwas vergleichen, allerdings auf die Problematik hinweisen, dass solche Aktionen in anderen Ländern einen ganz anderen Hintergrund haben. Es gibt auf der ganzen Welt genug Touristen„attraktionen“, die großes Tierleid mit sich bringen, nur um ein Bild mit einem außergewöhnlichen Tier zu schießen. Sieht man solche angebotenen Aktivitäten, sollte man immer erst den gesunden Menschenverstand einschalten, denn das Beste, was man dagegen unternehmen kann, ist es zu unterlassen und publik zu machen. Darunter zählen nicht nur die angesprochenen Fotoaktionen mit angeleinten Tigern, seltenen Affen auf der Schulter, einem Faultier im Arm…. nein, dazu zählen auch Aktivitäten wie Elefanten-Reiten und Delfin-Schwimmen, was leider noch immer viele große Reise-Anbieter in ihren Programmen führen.

Ich bin absoluter Gegner von jeglicher Gefangenschaft von Tieren zum Zwecke der „Unterhaltung“ und habe mich sogar dieses Jahr gegen einen Besuch auf unserer bekannten Geparden-Farm entschieden. Diese Farm war bisher für mich die einzige Ausnahme von Einrichtungen, die ich boykottiere und ich kann und möchte zumindest über den Umgang mit den Geparden dort auch bis heute nichts Schlechtes sagen. Allerdings möchte ich auch niemanden mehr ermuntern, dies zu besuchen, da es mangels Informationen wirklich mehr einer Touristen-Attraktion ähnelt als guter Aufklärungsarbeit.

Trotzdem, egal ob Gästefarm oder Schutzprojekt – diese Tiere sind Botschafter für ihre wilden Verwandten, um auf den immer mehr anwachsenden Mensch-Tier-Konflikt aufmerksam zu machen. Für die Natur zählt keine Arterhaltung in Gefangenschaft, sondern die Tiere, die in ihrem natürlichen Lebensraum leben und zum Ökosystem der Natur beitragen.

Freitag, 22. September 2017

World Rhino Day

Der 22. September ist der Tag des Nashorns. Im Laufe unserer Namibia-Urlaube wurden diese grauen gepanzerten Wesen zu einem unserer Lieblingsfotomotive. Diese Tiere in der freien Wildbahn zu beobachten ist eine Ehre, denn eines Tages werden sie nicht mehr in ihrem natürlichen Lebensraum zu finden sein. Hauptgrund hierfür ist die Wilderei. Immer noch denken die Konsumenten und Abnehmer der Hörner, diese hätten eine heilende und potenzsteigernde Wirkung. Sorry, es gibt Menschen auf der Welt, die einfach alles in sich rein fressen und denen es schei* egal ist, dass sie dafür verantwortlich sind, dass die Natur immer mehr zugrunde geht. Vor Ort herrscht meistens eine große Armut und die Menschen leben am Existenzminimum. Dann kommt ein Zwischenhändler daher, bietet ihnen einen vergleichsweise mickrigen Preis für Nasenhörner oder Elfenbein, was aber für die Wilderer wiederum eine Menge Geld bedeutet. 
Erstaunlich finde ich Projekte, die den Menschen klar machen, dass mit lebenden Nashörnern und Elefanten auf Dauer mehr Geld zu machen ist, wenn diese für den Tourismus erhalten bleiben. Wilderer werden hier zu Rangern ausgebildet, denn diese Menschen sind unschlagbar im Spuren Lesen.  
Eine Maßnahme, die momentan auch verstärkt in der Etosha unternommen wird, ist das Enthornen der Nashörner. Für mich ist dies ein trauriger Anblick, denn gerade ihre Nasenhörner sind doch majestätisches Merkmal. Es gibt Berichte aus Südafrika, denen nach auch enthornte Tiere den Wilderen zum Opfer fallen, damit diese nicht der "falschen" Fährte folgen, nämlich einem Tier, bei dem es "nichts zu holen gibt". 

Wir unterscheiden zwischen dem White Rhino (Breitmaulnashorn) und dem Black Rhino (Spitzmaulnashorn). Manch einer behauptet, das Breitmaulnashorn hat seinen englischen Namen dadurch, dass breit auf afrikaans "wye" heißt und ähnlich wie white klingt. Zu den Big Five allerdings gehört nur das Black Rhino, was viele nicht wissen, da die Big Five nach ihrem Schwierigkeitsgrad und der risikoreichen Jagd auf sie benannt wurden. Im Gegensatz zu ihren größeren Verwandten sind Black Rhinos nämlich um einiges aggressiver und angriffslustiger. Generell sollte man zu Nashörnern einen respektvollen Abstand halten, da sie nur einige Meter weit sehen können und wenn sie sich bedroht fühlen oft attackieren, statt zu fliehen. Ihr schwaches Sehvermögen machen sie durch ihren außerordentlich guten Gehör- und Geruchssinn wieder wett. 

Neben der Größe kann man die beiden Arten, namens gebend, an der Form ihres Maules sehr gut unterscheiden. Der Mund des Breitmaulnashorn ist optimal, um auf weiten Steppen zu grasen, weswegen Kühe beim Umherstreifen ihr Kalb auch vor sich laufen lassen, damit sie die Gefahr kommen sehen. Spitzmaulnashörner ernähren sich von Sträuchern und Kräutern und ihr Maul ist daher zum Abzupfen von Ästen prima geformt. Da sie sich aufgrund dessen also mehr in bewachsenem Gebiet aufhalten, laufen die Kälber ihrer Mutter hinterher, da man nie weiß, was plötzlich vor einem im Busch lauert. 
Bei einem Night Drive in der Etosha konnten wir eine Kuh mit zwei Kälbern beobachten, die einen deutlichen Altersunterschied hatten. Der Guide erklärte uns, dass das ältere Kalb knapp drei Jahre alt sei und das jüngere nicht ganz ein Jahr. Die Mutter schicke das ältere aber nicht weg, da es zu einer Gefahr für das jüngere werden könnte. Erstaunlich! 
Dadurch, dass die Tragezeit der Nashörner 18 Monate beträgt und die Kälber bis zu drei Jahre bei ihrer Mutter bleiben, wovon sie zwei Jahre lang noch gesäugt werden, werden diese Tiere teilweise schneller durch die Wilderei getötet, als dass sich der Bestand erholen kann. 

Obwohl diese Tiere keine natürliche Feinde haben (ab und zu werden sie jedoch von Löwen gerissen, vor allem Kälber), sind sie stark vom Aussterben bedroht. Das sollte auf jeden Fall zu denken geben, denn ohne Eingriff des Menschen in die Natur, regelt diese sich selbst, was für mich äußerst faszinierend ist. 

In Namibia lebt die größte Population an Spitzmaulnashörnern ganz Afrikas, deren Bestand um einiges geringer ist als der der Breitmaulnashörner, was auf diesem Foto des WWF's sehr gut zu erkennen ist. 


Leider konnten wir bisher in Namibia nur Black Rhinos beobachten und ich hoffe sehr, in den nächsten Jahren auch endlich mal ein White Rhino vor die Linse zu bekommen. Wir lieben es, abends an den Wasserlöchern zu sitzen, die durch schonendes Licht geflutet werden, und in der Dunkelheit plötzlich ein Rhino entdecken, das gemütlich zum Wasser trottet und trinkt. Rhinos hört man auch meist, wenn sie sich näher, da sie keinesfalls so leisen Schrittes wie Elefanten unterwegs sind. Da wird laut geschnauft und durch die Büsche gerannt, sodass man die Äste knacken hört. Wenn sich Rhinos am Wasserloch begegnen, verläuft dies meist friedlich, obwohl Black Rhinos Einzelgänger sind  und nur zur Paarung zusammen kommen (White Rhinos sieht man manchmal in kleinen Grüppchen). Sie machen sehr merkwürdige Laute, die wir erstmals 2016 richtig hören konnten.

Dies ist von 2017 - Ton aufdrehen!



Zum Schluss folgen noch einige meiner Lieblingsbilder unserer Urlaube - getreu dem Motto "if you want to shoot an animal use your camera"!





Mittwoch, 19. Juli 2017

Memories of Farm Robyn

Der Reisebericht mit allen Bildern und Filmen von 2017 ist fertig unter "Namibia 2017" eingestellt - viel Spaß!

Jutta hatte sich schon länger einen Erinnerungsfilm über ihre Farm gewünscht. Es ist absehbar, wann sie wieder nach Deutschland zurück kehren wird und da fällt der Abschied natürlich nicht allzu leicht. Um immer an die schönen Momente erinnert zu werden, habe ich es dieses Jahr in Angriff genommen und ihr einen Film zusammen geschnitten, vor allem über ihre geliebten Tiere.



Donnerstag, 4. Mai 2017

Baie Dankie Mama

Länger schon hatte ich überlegt, wie ich meiner Mama für alles danken kann. Was wir zusammen jedes Jahr erleben dürfen, weil sie damals den Stein ins Rollen gebracht hat und auch weil sie sonst immer für mich da ist. Wir sind so ein tolles Mutter-Tochter-Gespann und die jährlichen Urlaube schweißen uns mehr und mehr zusammen. Ich bin ihr so dankbar für alles, für jede Kleinigkeit, für jede Hilfe, für all die Momente, in denen wir einfach nur glücklich sind.
Ich bin so stolz, dass sie das alles mitmacht und wir einfach den gleichen Humor teilen, uns an den gleichen Sachen erfreuen, in glücklichen und nicht so glücklichen Momenten zusammen weinen können.
Nicht jeder kann seine Mama auch als beste Freundin bezeichnen - ich persönlich schon und das bedeutet mir sehr viel.
Wenn unser Verhältnis auch mal eine Zeit lang nicht das beste war (die Pubertät ließ grüßen), dafür ist es mittlerweile umso intensiver und herzlicher.
Und da sich bei uns sowieso alles um Namibia dreht, hier auf Afrikaans ein herzliches Dankeschön, was unter die Haut geht.


Ich hab dich lieb ♥


Montag, 20. Februar 2017

Die Königin der Nacht

...ist eine Kakteenart, die erst nach fünf Jahren Wachstum blüht. Diese Kakteen sind ursprünglich in Mexiko, Kuba, Jamaika und auf den westindischen Inseln beheimatet. Die Königin wächst dort in trockenen Gebieten.

Die Pflanze blüht nur für wenige Stunden in der Nacht, da die Blüte in ihrer Heimat während der Tageszeit zu hoher Sonneneinstrahlung und Trockenheit ausgesetzt wäre. In der Nacht überleben die Blüten für wenige Stunden und verströmen einen stark süßlichen Duft, welcher deutlich variiert während dieser Zeit.

In Namibia verhält sie sich mit ihrer Blütezeit ein wenig anders und Jutta konnte nach anhaltenden Regenfällen diese wunderbaren Bilder knipsen.

 


Apropos Regen - er hat endlich auch Robyn erreicht!


 

Einen Schlangenalarm gab es auch wieder! In der Nähe der verblühten Königin der Nacht entdeckte Enginie ein kleines Loch, welches eine Cobra bewohnte. Aufgeregt schrie sie "Missy Missy, Snake!!!" - Das Stichwort für Jutta, ihre Büchse zu greifen und los zu ballern. Enginie ist in diesen Momenten immer sehr aufgeregt und springt Jutta beinahe noch ins Schussfeld. 
Als die Gefahr gebannt war, konnte man die Schlange eindeutig als Cobra identifizieren. Da sie für eine Capcobra die typisch gelbe Farbe hatte, war dies der erste Gedanke. Capkobras sind die giftigsten Cobras Afrikas und besitzen das wirksamste Gift. Es führt zur Lähmung der Atemmuskulatur und unbehandelt führt der Biss zum Tod. 
Aber aufgrund der Tatsache, dass Robyn sehr weit im Norden liegt und nicht in das Verbreitungsgebiet der Capcobra fällt, war die zweite Vermutung eine Anchieta's Cobra (Angola Cobra). Dies bestätigte auch der Schlangenexperte aus Windhoek. Angola Cobras können ebenfalls eine gelbliche Färbung aufweisen und die dunkle Stelle hinter dem Kopf war das Merkmal, das zur Identifizierung führte. Dieses Exemplar war noch jung, daher die helle Färbung.

Aber egal, welche Cobra Art, letztendlich braucht kein Mensch eine Cobra im Vorgarten!!!


Dienstag, 8. November 2016

Fleisch aus dem Busch

Ich möchte heute einmal auf ein ganz anderes Thema eingehen. Auch als sehr großer Tierliebhaber verzichte ich - vor allem in Namibia - nicht auf Fleisch (in Deutschland eher in Maßen). Wer einmal gut zubereitetes Fleisch aus dem afrikanischen Busch probiert hat, weiß wovon ich nun schreibe.


Wichtigster Punkt für mich: Mehr Bio geht absolut nicht. Die Tiere leben ihr artgerechtes Leben im Busch und haben neben dem Mensch auch natürliche Feinde, müssen also stets auf der Hut sein. Im Fleisch befindet sich kaum ein Gramm Fett und die Tiere werden nicht gemästet. Massentierhaltung wäre in Namibia viel zu teuer, daher leben auch beispielweise die Rinder ihre drei bis vier Jahre im Busch.
Die unterschiedlichen Huftiere fressen auch nicht alle das Gleiche. Kudus beispielsweise fressen Kräuter, Oryx Antilopen Gras, und diesen Unterschied kann man auch im Geschmack ausmachen. Wir haben auf unseren Reisen bisher Oryx, Eland, Kudu, Springbock, Strauß, Zebra und Steinböckchen probiert. Beim Steinböckchen hatte ich zuerst einen kleinen Gewissenskonflikt, da diese kleine Antilopenart ihr Leben lang monogam lebt und wenn der Partner stirbt, der andere für den Rest seines Lebens alleine bleibt. Unsere Freundin Heike erklärte aber, dass das einsame Böckchen von der Jagdgesellschaft erlegt wurde, die ein paar Wochen vor uns bei ihr waren und es sei schon recht alt gewesen.


Fleisch gilt in Namibia als Hauptnahrungsmittel und ist im Vergleich zu anderen Lebensmitteln günstig. Farmbetreiber sind dazu verpflichtet, ihren Angestellten zusätzlich zum Lohn auch Fleisch zur Verfügung zu stellen. Kann diese Verpflichtung nicht eingehalten werden, so muss der Fleischwert ausbezahlt werden.


Ich bin absolut kein Befürworter von Trophäenjagd. Bei der Jagd auf Antilopen ist es allerdings so, dass das Fleisch komplett verwertet wird und die Trophäenjäger noch Geld ins Land bringen. Ich persönlich werde zwar nie verstehen, wie sich jemand darüber freuen kann, ein Tier seiner Trophäe wegen erlegt zu haben und sich damit zu profilieren. Das ist aber wiederum ein ganz anderes Thema und die Jagd auf gefährdete Arten oder Tiere dessen Fleisch nicht verzehrt wird, lehne ich komplett ab. Auch ich habe zu Hause zwar eine Art Trophäe liegen, diese war aber ein Überbleibsel eines alten Trophäenkudubullen, von dem der Jäger nur das Gehörn wollte. Dieses Tier ist also nicht für mich gestorben, da ist es mir wichtig, einen Unterschied auszumachen.
Felle und Hörner sind in Namibia beim Fleischkonsum "Abfall", daher werden sie meist weiterverarbeitet zu Souvenirs. Ausschlaggebend ist aber, dass die Tiere nicht in erster Linie aus diesen Gründen getötet werden, sondern um Menschen zu ernähren. In einem Land, das so trocken ist, kann man nicht allzu viele Gemüsesorten anbauen und im herkömmlichen Supermarkt hat das Gemüse oft mindere Qualität, ist extrem teuer oder kann gar nicht erst angeboten werden, weil nichts da ist. Daher kann man das alles mit Deutschland absolut nicht vergleichen, wo man einmal in den Supermarkt geht und direkt alles hat was man braucht. Und wenn es ums Fleisch geht, kann man fast nie zu 100% nachvollziehen, woher es überhaupt stammt.


In den letzten Jahren fällt leider viel zu wenig Regen und es wird immer trockener. Dieser traurige Zustand hat natürlich immense Auswirkungen und diese sind auch am Fleisch der Tiere erkennbar. Unsere Freundin Jutta wollte vor Kurzem Markklößchen vom Eland selbst herstellen. Dies war allerdings nicht möglich, da das Knochenmark durch die Trockenheit mehr an Gelatine erinnerte.
Ich finde allgemein die Anpassung der Tiere auf Umwelteinflüsse extrem spannend. Dazu vielleicht in einem anderen Blogthema mehr.


Hier brechen Enginie und Immanuel gerade einen von Jutta erlegten Springbock auf. Bei der Jagd ist es Jutta wichtig, dass das Tier nicht leiden muss, daher setzt sie immer zum direkten Kopfschuss an. Die eigentliche "Trophäe" wird damit zerstört, weswegen Trophäenjäger zum Blattschuss (genauer Kammerschuss) ansetzen, heißt, knapp hinter dem Schulterblatt. Dieser Schuss zerstört innere Organe und Blutgefäße und lässt die Lunge kollabieren. Es kann noch kurze Zeit dauern, bis das Tier daran stirbt und in der Zeit kann es noch über eine gewisse Distanz flüchten. Aber auch nur, wenn der Schuss korrekt abgefeuert wurde, ansonsten quält sich das Tier ungemein.
Daher stehe ich voll hinter Juttas Methode.


 

Montag, 15. August 2016

Der Erdwolf

ErdWOLF? Ein Wolf in Afrika?!



Der Name ist wahrscheinlich für viele ein klein wenig irreführend, hat dieses possierliche Tierchen doch rein gar nichts mit unserem Europäischen Meister Isegrim gemeinsam.

Bei uns heißt es mittlerweile "und jährlich grüßt der Erdwolf", aber leider ohne jegliche Fotobeweise, außer ein paar Ohren und Fell im Gras, aber nur mit viel Fantasie.




Daher darf ich freundlicherweise die Bilder von Konni aus dem Namibiaforum verwenden, die 2015 auf der Tokolodge bei Kamanjab entstanden sind, also quasi in der Nachbarschaft von Robyn.

Drei Namibiaurlaube - vier Erdwolfsichtungen, wer kann das schon von sich behaupten! Eine solche Sichtung ist äußerst selten, denn diese Tiere sind nacht- und dämmerungsaktiv.
Unsere erste Sichtung war nach Sundowner auf der Frans Indongo Lodge im hohen Gras (Foto oben). Da wir zu dieser Zeit noch Namibia-Neulinge waren, war es für uns ein "hyänenartiges Tier". Den Guide verstanden wir leider nicht, als er versuchte zu erklären, dass es sich um einen "Aardwolf" handelte. Später im Reiseführer kam dann die Erleuchtung.
Die zweite Sichtung war das Jahr darauf auf dem Rückweg von den Cheetahs auf Robyn. Im Scheinwerferlicht huschte auf einmal eine dunkle Gestalt über die Pad. Es schoss aus mir heraus "Erdwolf!!! Nein wie geil ist das denn?!". Natürlich hatten wir hier die Kamera nicht im Anschlag - und weg war er.
Bei der dritten Sichtung war es ähnlich. Petra und ich fuhren dieses Jahr alleine zu den Cheetahs und auf dem Rückweg hinterm Scheichzaun leuchtete auf einmal ein Augenpaar. Petra hielt es für einen Schakal, aber ich entdeckte sofort die typischen Ohren und wieder "Erdwolf!!! Doch, zu 100%!!!". Leider bremste Petra zu spät und als wir zurück fuhren, sahen wir ihn nur noch weg huschen.
Naja und die vierte Sichtung war zwischen Kamanjab und Outjo auf der Teerpad - tot. Man erkannte ihn nur noch an dem gestreiften Fell.


So, neugierig? Hier kommt die Auflösung:

Der Erdwolf gehört zu der Überfamilie der Katzenartigen und der Familie der Hyänen. Er bildet die kleinste Hyänenart.

Anders als seine Verwandten ernährt er sich hauptsächlich von Termiten. Er bevorzugt eine Termitenart, die von den meisten anderen insektenfressenden Säugetieren verschmäht wird, da sie Gifte absondern, denen Erdwölfe gegenüber tolerant sind. Diese sind ebenfalls nachtaktiv und kommen zur Futtersuche an die Oberfläche. Bis zu 300.000 Termiten, also in etwa zwei Kilo verspeist ein Erdwolf in der Nacht. Praktisch hierbei, sie müssen so gut wie nie trinken - außer im Afrikanischen Winter, wenn es wenig Termiten gibt und sie auf andere Insekten zurückgreifen.

Die beiden größten Merkmale sind die großen nach oben spitzen Ohren und das gestreifte Fell. Im Revier leben sie als Paar, allerdings kommen sie nur wirklich zur Paarungszeit zusammen und was noch interessant ist: die Jungen werden oft nicht vom eigentlichen Partner gezeugt.

Als kleinste Hyänenart erreichen sie eine Kopfrumpflänge von 55 bis 80 Zentimetern, plus der buschige Schwanz mit zusätzlich 20 bis 30 Zentimetern. Ihr Gewicht variiert zwischen 8 und 12 Kilogramm. Wie bei allen Hyänen ist der nach hinten abfallende Körperbau charakteristisch, allerdings erreichen sie lediglich eine Schulterhöhe von 45 bis 50 cm.

Erdwölfe bewohnen Bauten, die oft von Springhasen, Erdferkeln oder Stachelschweinen gegraben wurden, die sie dann noch erweitern.
Ein Bau bildet eine Art "Einbahnstraße", besitzt also nur einen Ein- und Ausgang und endet nach vier bis fünf Metern in einer Kammer. So ein Bau wird allerdings nur sechs bis acht Wochen verwendet.


Ebenfalls anders als ihre Verwandten, geben Erdwölfe keine Laute von sich oder nur ganz selten.
Letztlich interessant zu erwähnen ist, dass sie im Winter, wenn sich die Termiten meist in ihre Nester zurückziehen, von Erdferkeln profitieren. Diese haben die körperlichen Voraussetzungen, Termitenhügel aufzubrechen und sobald sie satt weiterziehen, können sich die Erdwölfe bedienen.
Daher ist es gar nicht so unüblich, dass Erdwölfe den Erdferkeln oft auf nur 50 Metern oder weniger folgen.


So viel zur Theorie, es folgen wunderschöne Bilder im Abendlicht kurz nach Sundowner:


 

 

Montag, 29. Februar 2016

Die Tüpfelhyäne

Bei kaum einem anderen Raubtier spalten sich die Meinungen so sehr wie bei Hyänen. Von Farmern verflucht, von einigen Stämmen Afrikas als heilig verehrt und von Touristen oft geliebt.

Spätestens seit „Der König der Löwen“ haben Hyänen ihren Ruf als sabbernde, dreckige dumme Aasfresser weg. Dabei steckt hinter der – von vielen als hässlich empfundenen – Fassade so viel mehr.
Hyänen leben in großen Familienbänden (Clans), in denen die Weibchen das Sagen haben. Die Männchen bilden die Unterschicht und sind niemals mit den Weibchen verwandt, sondern zugewandert.
In der Rangordnung der Weibchen ist der Rang erblich, das heißt die weiblichen Nachkommen der Clanführerin werden mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls mal eine solche Position einnehmen.
Das typische Lachen oder Kichern der Tüpfelhyänen tritt auf, wenn ein Tier einen niedrigeren Rang akzeptiert. Ansonsten ist der am häufigsten zu hörende Ton ein langgezogenes „whuuuup“, welches Kilometerweit zu hören ist.

Tüpfelhyänen erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 80 cm und besitzen einen relativ kurzen Schwanz. Ihre Vorderbeine sind weitaus länger und kräftiger als die Hinterbeine, weswegen sie einen abfallenden Rücken besitzen und dadurch ihr typischer Gang entsteht.
Weibchen sind etwas größer, dennoch ist es schwierig, Männchen und Weibchen zu unterscheiden, da die Weibchen eine einmalige sogenannte Maskulinisierung („Vermännlichung“) aufweisen. Die ist einzigartig unter den Säugetieren, weswegen noch keine genauen Gründe hierfür erforscht werden konnten. Ihre starke Beißkraft ermöglicht es ihnen, Knochen von über 7 cm Durchmesser zu durchteilen.


Da wären wir bei dem Aspekt, den auch ich an Hyänen nicht besonders mag. Sie töten nicht, sondern fressen direkt los, egal ob das Beutetier noch lebt. Manchmal beißen sie sich auch einfach ein großes Stück Fleisch heraus und das Tier verendet später, weil es verblutet. Daher kann ich die Nutztier-Farmer sehr gut verstehen.

In Gegenden wie beispielsweise Etosha sind sie dagegen sehr nützliche Individuen der Nahrungskette. Zwar besteht ihre Ernährung hauptsächlich aus der aktiven Jagd, jedoch fressen sie auch Aas und halten dadurch den „Circle of Life“ im Gleichgewicht.
Andererseits haben Geparde oder Leoparden meist das Nachsehen, wenn es zu Beutestreitigkeiten zwischen ihnen und Hyänen kommt. Beim Aufeinandertreffen mit Löwen kommt es drauf an, wie groß das jeweilige Rudel ist.


Wir hatten im Juni 2015 in der Etosha eine unvergessliche Begegnung mit einer jungen Tüpfelhyäne, die wir Uschi tauften. Schon vorher freuten wir uns am Moringa-Wasserloch im Halali Camp über unsere erste Hyänensichtung, aber als wir „Uschi“ begegneten, hatten wir endgültig ein Herz für Hyänen.